Eine Gruppe Jugendlicher begeht einen brutalen Mord. Das Opfer: Der Liebhaber der Mutter des jungen Noboru, eines der Jungen. Das Motiv: ein vermeintlicher Verrat – am Meer, das der Fischer für die Liebe aufgeben wollte. Die Geschichte des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima verwandelte Hanz Werner Henze 1990 für die Deutsche Oper Berlin in ein eindrückliches Musiktheaterstück, das 2006 in einer kompletten Neufassung in japanischer Sprache und unter dem Originaltitel des Romans »Gogo no Eiko« bei den Salzburger Festspielen seine zweite Uraufführung erlebte. Vaterfiguren und Vaterlosigkeit, Liebe, Hass und die unüberbrückbare Kluft zwischen den Generationen treffen sich hier zu einer tiefgründigen Gesellschaftsstudie, für die Henze eine eindringliche, zugleich transparente, oft geradezu zarte Musiksprache fand. Weitgehend klassisch europäisch besetzt, erhält der Orchesterapparat im Schlagwerk durch die japanische Doppelfelltrommel O-Daiko und andere Sonderinstrumente besondere Valeurs und Farben, in die sich die anspruchsvollen Gesangspartien zwischen rhythmischem Sprechgesang und lyrischen Episoden einfügen: Wellen im großen Ozean.
Unter der musikalischen Leitung von Alejo Pérez brachte die Tokyo Nikikai Opera die deutsche Fassung von »Gogo no Eiko« im November 2023 erstmals in Tokio zur Aufführung. Die überaus erfolgreiche Produktion ist nun konzertant in der Elbphilharmonie zu erleben – pünktlich zum Jubiläumsjahr des Komponisten Henze, der 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte
